Deutsch YKPAÏHA Zusammenarbeit im Ju-Jutsu

19.10.09 14:50 Alter: 323 days

Von: Hannah und Joe

Seit vielen Jahren pflegen wir ein gutes Verhältnis zu dem ukrainischen Ju-Jutsu Verband. Anfangs Gäste auf dem DJJV Bundesseminar haben wir die Zusammenarbeit ausgebaut und machen jedes Jahr ein bis zwei Programme für Fachkräfte und organisieren einen Jugendaustausch.

Nachdem wir im Juni einen Verein in Snamjanka (Zentralukraine) kennen lernen konnten und sehr viel über das Leben, Arbeiten und die Möglichkeiten für Ju-Jutsu Vereine im ländlichen Raum erfahren haben besuchte uns eine Delegation im August. 
Direkt im Anschluss ging es an die Krim um dort mit 13 Jugendlichen aus Deutschland die ukrainische Kultur kennen zu lernen und die Berühmte Urlaubsinsel zu erkunden.

All diese Maßnahmen werden über die Deutsche Sportjugend (www.dsj.de) aus Mittel des KJP vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (www.bmfsfj.de) gefördert.

„Wir reisten 1. Klasse und trotzdem war alles sehr beengt und spärlich.“

„Für alle, die niemals Russisch in der Schule gelernt haben, war es nicht ganz einfach, sich zu verständigen.“

„Aber irgendwie schafften wir es doch mit Händen und Füßen, unserem Gegenüber unser Anliegen zu erklären.“

„Und auch sonst wird Gastfreundschaft, vor allem beim Essen, sehr groß geschrieben.“

„Die Möglichkeit mit ausländischen Ju-Jutsuka zu trainieren, faszinierte mich, da die Berichte von anderen Ju-Jutsuka, die schon am Jugendaustausch teilnahmen, sehr überzeugend und einladend klagen.“

„Mein Highlight schlechthin war allerdings das Training von Ivan und Leonit. Beide Zeigten nicht nur Techniken auf hohem Niveau und erklärten sie in Hervorragenden Englisch, sie zeigten darüber hinaus noch eine traditionelle Kata und hatten viel Geduld bis sie bei allen richtig ankam. Im Allgemeinen waren beide uns gegenüber sehr aufgeschlossen und nett. Sie brachten uns das ein oder andere Russische Wort bei und sie lernten im Gegenzug Deutsch.“

„Als der Tag der Abreiße immer näher rückte war man schon  traurig, dass alles so schnell vorbei ging, aber man hat viele Geschichten und Eindrücke aus der Ukraine mit nach Hause genommen, die Durchweg positiv sind.“

„Ich freue mich schon auf die Gegenmaßnahme, bei der wir unsere Kultur näher bringen können.“

…  und dies sind nur einige Eindrücke der Teilnehmer der diesjährigen  deutsch-ukrainischen Jugendbegegnung auf der Krim.

Die Anreise zum Flughafen begann für die Meisten von uns bereits am frühen morgen. Mit Zubringerflügen, Fahrgemeinschaften im Mietwagen und der Bahn reisten die deutschen Teilnehmer zum Flughafen Köln/ Bonn an.
Nach einem entspannten Flug nach Kiew, ging es hektisch weiter. Am Flughafen erwartete uns Ivan Nastenko. Da unser Zug in Richtung Krim am Bahnhof schon auf uns wartete, wurden wir alle schnell zum Bus gebracht. Um auf den Bahnhof zu kommen hatten wir nur etwas mehr als eine Stunde Zeit und schafften es in der letzten Minute, gemeinsam mit unseren ukrainischen Mitstreitern, den Zug zu besteigen.
Für die Bahnreise waren für uns 4-er Abteile im Schlafwagen gebucht. Wir verteilten uns auf die Abteile und nach dem ersten Durchatmen begannen wir uns in den verschiedensten Kleingruppen zu unterhalten. 16 Stunden dauerte die Bahnfahrt nach Simferopol. Nach einer guten Stunde Busfahrt erreichten wir Partenid und konnten dort leider noch nicht unsere Zimmer beziehen. Also machten wir uns erst auf in die Stadt zu gehen um Geld zu wechseln, einzukaufen und eine kleine erste Erkundung der Umgebung mit dem öffentlichen Strand zu machen. Neben einer kleinen Hafenanlage ist ein Stück Kiesstrand, dass sehr stark bevölkert war.
Unsere Gastgeber hatten noch ein Mittagessen organisiert. Anschließend ging es noch an den Strand in der Ferienanlage von Partenid. Die Zeit wurde zum Schwimmen und relaxen genutzt. Teile der Gruppe (Deutsche und Ukrainer) machten sich auf um an den Restaurants der Strandpromenade Ukrainische Spezialitäten zu testen. Die gesamte Gruppe fand sich später dort ein und in ungezwungener Atmosphäre lernten sich alle besser kennen.
Am Abend machten sich bei den Meisten doch die Strapazen der Reise bemerkbar. So gingen einige direkt nach dem Abendessen schlafen. Eine kleine Gruppe Unermüdlicher ging noch aus um das Nachtleben von Partenid zu erkunden. So wurden noch die ersten Erfahrungen mit der Ukrainischen Diskothek gemacht.

Gleich nach dem Frühstück des Montagmorgens ging es zum Strand. Bei Klippenspringen, Schwimmen, Karten- und Ballspielen fingen die Jugendlichen an die ersten Sprachfetzen auszutauschen.
Am Nachmittag gestalteten wir ein Training. Da wir keine Sporthalle zur Verfügung haben trainierten wir einfach auf dem Vorplatz an der Unterkunft. Neben einer Übungsstunde für den Ju-Jutsu Duo Wettkampf wurde für den Großteil der Gruppe ein Trainingsprogramm mit gewaltpräventiven Übungsformen für Selbstverteidigungstechniken.
Der Montagabend sollte ein ruhiger Abend werden. Bei Kartenspielen und Gesprächen saßen deutsche und ukrainische Teilnehmer gemütlich beisammen und ließen den Tag ausklingen.

Unsere ukrainischen Gastgeber hatten für den Dienstag ein Volleyballfeld organisiert. So spielten wir in national gemischten Mannschaften ein Match aus. Die Verständigung während des Spiels war dann auch sehr interessant und nach einer Eingewöhnung und kleinen Absprachen klappe es ganz gut sich in den Teams schnelle Kommandos zuzurufen. Am Rande verständigten sich die „Pausierenden“ mit Einheimischen bzw. anderen Urlaubern. So wechselten dann auch Ukrainer, die nicht zu unserer Gruppe gehörten in das Spiel ein.
Nach einem gemeinsamen Volleyballmatch, konnten alle noch etwas Tischtennis oder Badminton spielen oder an ein paar desolaten Kraftgeräten Muskeln spielen lassen. Spannend waren verschieden Herausforderungen von unserem paralympischen Tischtennis Athleten David Korn. Gleich mehrere Ukrainer, auch Gruppenexterne, wollten ihr Glück versuchen. Auf Rückfrage, ob in dem „Sport und Medizinischen Zentrum“ auch Massagen angeboten werden renkte die „Aufseherin“ über die Sportanlage noch eine Teilnehmerin von uns ein. Auf die Nutzungsgebühren für die Sportgeräte wurde bei den Deutschen Gästen dann auch großzügig verzichtet. Nach dem sportlichen Tag kam allen eine Abkühlung sehr gelegen so gingen alle noch einmal vor dem Abendessen kurz schwimmen um entspannt und abgekühlt in den Abend zu starten.
Nach einem gemütlichen Abend auf den Balkonen unserer Unterkunft mit vielen Gesprächen über die Lebens und Arbeitsbedingungen in der Ukraine ging es später wieder in die Stadt und für die Nachtschwärmer auch noch in die Disco.

Der Mittwoch begann mit einem Frühstück und anschließendem ukrainischen Training. Das ungewohnte Aufwärmen und eine traditionelle Kata ließen uns an diesem Morgen Schwitzen. Trotz der ungewohnten Bewegungen und Abläufe waren alle mit viel Ehrgeiz beim Training dabei und übten sogar am Abend noch einmal, um die Bewegungen nicht zu vergessen.
Anschließend Mittwoch stand der Besuch des Weingutes Masandra  auf dem Programm. Nach einer rasanten Busfahrt über die Straßen der Krim, genossen wir eine ausführliche Führung durch die alten Gemäuer, in welchen unzählig viele Weinflaschen lagern. Masandra ist eines der größten Weingüter auf der Krim und etliche Traubensorten wurden hier entwickelt. Im 1. Weltkrieg wurden einige Lagerkeller zugeschüttet um die seltenen Weine vor Raub zu schützen. Im 2. Weltkrieg gingen dann sehr viele seltene Weine verloren, da nur ein Teil per Schiff in Sicherheit gebracht werden konnte. Um den Wein nicht in die Hände der Deutschen Invasoren fallen zu lassen wurden Unmengen der wertvollen Weine vernichtet.
Im Anschluss an die Führung mit diesen interessanten Informationen konnten wir dann eine Auswahl der vielen Weine selbst testen. Wie zu erwarten teilten sich die Geschmäcker an dieser Stelle, da der Wein ist für die Meisten von uns ungewöhnlich süß.
Einige von uns konnten an diesem Tag sogar Delphine im Meer entdecken die nicht weit vom Strand ab und zu an die Meeresoberfläche kamen.
Für einen ukrainischen Grillabend halfen dann alle mit noch die notwendigen Utensilien zu besorgen. So beschaffte die Deutsche Gruppe Getränke und unsere Gastgeber kümmerten sich um Fleisch und weitere Spezialitäten, die zu einem typischen Schaschlik (Шашлык) Abend gehören. Alle Beteiligten sich an den Aktivitäten. Während sich unsere ukrainischen Freunde mehr um das Essen kümmerten besorgten die Deutschen TeilnehmerInnen Tisch und Stühle und fachten das Feuer an. Unsere ukrainischen Freunde gaben ihr Bestes am Grill, sodass alle satt wurden und erschöpft in ihre Betten fielen.

Der Donnerstag begann, nach dem Frühstück, wieder mit einem ukrainischen Training, um die Abläufe der Kata vom Vortag zu festigen. Im Anschluss ging es zum Baden, denn vor allem an diesem Tag war die Sonne kaum zu ertragen, ohne ab und zu eine kleine Abkühlung zu bekommen. Mehrere TeilnehmerInnen hatten auch Gesundheitliche Probleme. Vermutlich hat ein Imbiss die Widerstandskräfte der deutschen TeilnehmerInnen überfordert. Nach der Rückkehr stellte sich raus, dass eine Bakterienvergiftung (Champylobakter) dafür die Ursache war. Während die Erkrankten sich im Schatten oder der Unterkunft erholten nutze die restliche die Zeit mit Hilfe der Sprachbücher und der Partner die gemeinsamen Sprachkenntnisse wieder weiter zu entwickeln. Das ganze war wieder von deutschen und ukrainischen Kartenspielen am Strand, Klippenspringen und Erkundungen der Strandanlage begleitet. Michael Korn verließ uns an diesem Nachmittag leider schon, um am Wochenende noch einen „Ju-Ju on Tour“ Lehrgang in Deutschland leiten zu können.

Vorletzter Tag. Freitag. Nach wie vor sind einige TeilnehmerInnen gesundheitlich nicht auf der Höhe und wir kürzen das thematische Programm so ein, dass jedoch alle teilnehmen können. Beim Volleyballspielen zeigte sich, dass die Teams schon viel besser kommunizieren. Lob, Tadel und Fluchen werden in beiden Sprachen fließend benutzt und verstanden. Wer fit war machte noch eine Runde Krafttraining, während die kränkelnden TeilnehmerInnen eher Gespräche führten und Bücher lasen. Ivan, der schon bedeutende Fitness Wettbewerbe gewonnen hatte, gab unseren SportlerInnen noch viele Tipps zu Ernährung, Training und Gesundheit. Diese wurden sehr Interessiert aufgenommen und viele Fragen zu den Themen schlossen sich an.
Der Besuch des Delphinariums war dann für viele TeilnehmerInnen ein weiteres Highlight. Wenn auch eher eine touristische Vorführung war die Art und weise der Präsentation ein kulturelles Erlebnis. Eine Show würde in Deutschland niemals in dieser teil Militärischen Form durchgeführt werden.
Anschließend besuchte ein Teil der Gruppe noch das kleine Mineralienmuseum in der Nähe. Dieser Programmpunkt war freiwillig für die TeilnehmerInnen, wurde aber von einigen noch mal als besonderer Programmpunkt erlebt. Gerade die Erläuterungen des alten Museumswärters waren sehr interessant und schön.

Am Samstag ging es schon vor dem Frühstück mit einem Bus in Richtung Mishor bei Yalta Ялта. Eine Fahrt mit der Seilbahn auf den berühmtesten Berg der Krim, den Ai – Petri, war geplant. Als wir an der Talstation angekommen waren verhandelten 2 Kleinbusfahrer mit uns, ob wir nicht lieber mit dem Bus auf den Berg fahren wollten. Zum gleichen Preis wie die Bergfahrt mit der Seilbahn konnten wir die Bergstraße mit 2 Sehenswürdigkeiten/ touristische Stationen erleben. So wurden wir per Transporter diesen 1200m hohen Berg gefahren. Diese rasante Fahrt werden einige Teilnehmer wohl nie wieder vergessen. Die Serpentinen wurden mit mind. 80 km/h entlang gerast und heiße Überholungsmanöver des Fahrers ließen sogar unsere ukrainischen Freunde schwitzen. Die Aussicht beim ersten Stopp war wirklich toll. Neben den Gruppenbildern vor diesem fantastischen Hintergrund konnte man sich hier mit Raubvögeln fotografieren lassen. Der 2. Stopp war an einem Wasserfall. Jedoch mutiert der Wasserfall im Sommer zu einem kleinen Rinnsal und nur die Postkarten vermitteln einen Eindruck, wie das im Winter und Frühjahr aussieht. An der Bergstation angekommen wurde klar, dass wir jetzt ukrainischen Tourismus in Reinform erleben. Uns wurde fast alles angeboten und zum Glück halfen unsere ukrainischen Freunde, die Händler abzuwimmeln. Dann ging es zu Fuß auf den Gipfel des Berges. Sprichwörtlich, über Stock und Stein bahnten wir uns den Weg hoch hinauf und erhielten mit dem Ausblick über das Land und die Küste eine tolle Belohnung.
Nach einigen Fotosessions vor dem traumhaften Panorama und dem Abstieg konnten wir uns in einem Restaurant stärken. Hier gab es nun landestypisches Essen und anschließendem Tee in sehr angenehmer Atmosphäre. Später schlenderten wir noch über den „ukrainischen“ Markt um Souvenirs einzukaufen oder einfach nur schauen. Eine Fotostation, bei der man sich in Kostümen fotografieren lassen kann befremdete uns dann doch etwas. Waren doch die Hauptattraktionen Bilder in Militärkleidung. So konnte man sich neben der Russischen Uniform auch als Wehrmachtssoldat oder in SS Uniform fotografieren lassen. Diese Situation ergab nun viele interessante Diskussionen mit unseren Gastgebern, ist dies für uns Deutsche ja völlig undenkbar und wird von den Ukrainern eher als harmloser Spaß betrachtet.
Abwärts ging es dann via Seilbahnfahrt, welche sich zum Glück um einiges ruhiger gestaltete, als die zuvor erlebte Autofahrt. Per Bus ging es dann weiter, um in die Stadt Yalta zu gelangen. Hier trennte sich die Gruppe für einige Stunden um zu shoppen, Kaffee trinken zu gehen oder sich auf eine erneute Sightseeing-Tour zu begeben. Zurück in unseren Urlaubsort Partenid kamen wir per Schiff. Nach einer guten Stunde Fahrt waren alle vom Ausflug ziemlich erschöpft.
Dennoch ging es später in die Stadt um den letzten gemeinsamen Abend gebührlich zu feiern.

Von den Tagen am Meer, Hitze, Sonne, kulturellen Eindrücken und Bakterienvergiftung waren die Meisten doch sehr erschöpft. Die Zeit im Zug wurde dann genutzt die Bilder von allen auf einem Notebook zu sammeln und so gut wie Möglich an alle TeilnehmerInnen weiter zu geben. Festplatten und Memorysticks machten die Runde und beim betrachten der Bilder in kleinen Gruppen in den Abteils wurde die Reise schon reflektiert und viele der Erlebnisse noch einmal mit den Partnern besprochen.

Die Ankunft in Kyiv mit dem Transfer zum Flughafen gestaltete sich ähnlich stressig wie die Anreise. Eine Verzögerung würde zum Versäumen des Fluges führen. Victor Malyutenko begrüßte uns am Bahnhof und hatte schon die Fahrt zum Flughafen organisiert.
Nach einem ruhigen Flug kamen wir wohlbehalten in Dortmund an. Die verschiedenen Fahrgemeinschaften machten sich auf den Weg nach Hause.

Hannah Schröder – Juniorteam-
Joachim Thumfart – Jugendsekretär-

 

<- Zurück zu: Start